Ausstellung: Radikale Passivität – Politiken des Fleisches

Ausstellung der nGbK Berlin vom 11. September - 1. November 2020 & der HGB Leipzig vom 22. Oktober - 7. Januar 2021

Ausstellung

Unter der kuratorischen Leitung von Kathrin Busch und Ilse Lafer
Eine Kooperation der neuen Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin und der Gesellschaft für künstlerische Forschung

Gemeinsam mit dem Kunstverein neue Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin organisiert die Gesellschaft für künstlerische Forschung eine Ausstellung, die sich der Kulturtechnik des Deaktivierens sowie neuen Formen von Sensibilität und Fleischlichkeit in den Künsten widmet. Das thematische Spektrum reich von Auseinandersetzungen mit Unvermögen und Widerstand über selbstgewählte Rückzüge und spekulative Eskapismen bis hin zu neuen Formen einer nicht mehr subjektzentrierten Sensiblität.
Ausgangspunkt für die Ausstellung ist Paul B. Preciados biopolitische These, die Machtform der heutigen Gesellschaft sei ›pharmakopornografisch‹: Die Weise, in der man gegenwärtig subjektiviert wird, verlaufe zum einen über Pharmazeutika – gemeint sind Medikamente, Hormone, Aufputschmittel, Tranquilizer und Drogen. Zum anderen funktioniere die heutige Machtform über Erregung, wobei nicht nur die Pornoindustrie gemeint ist, sondern auch andere gesellschaftliche Mechanismen, die der masturbatorischen Logik: ›Erregung – Frustration – Erregung‹ gehorchen. Adressat dieser Regulierungen ist das sensible Fleisch in seiner nervlichen Ausgesetztheit, Passibilität und Verwundbarkeit.
Die gezeigten künstlerischen Arbeiten exponieren die Zusammenhänge von Macht, Krankheit, Sex, exzessiver Empfindsamkeit und Kunst. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf das Unwillkürliche und Hinfällige und hinterfragen Politiken der Affizierung. Neben Werken aus den 1960er und 1980er Jahren werden vor allem zeitgenössische Positionen gezeigt, die dasjenige thematisieren, was in Kunst und Leben nicht Gegenstand der Wahl und nicht im Möglichkeitsspielraum des Einzelnen vorgezeichnet ist. Schwäche, Altern, Erschöpfung oder Sterblichkeit, aber auch Geburt, Verletz- und Erregbarkeit sind Phänomene radikaler Passivität, die in ihrer künstlerischen Brechung als Kritik an einer unterstellten Regierbarkeit des fleischlichen Seins zu verstehen sind.
Die Ausstellung widmet sich in drei aufeinander folgenden ›Szenen‹ neuen Formen von Sensibilität und Fleischlichkeit in den Künsten. Das thematische Spektrum reicht von Auseinandersetzungen mit Schmerz, Sucht und Erregung (1. Szene) über die Idee eines neuen digitalen Fleisches (2. Szene) bis hin zu Fragen nach der gesellschaftlichen Formierung einer nicht mehr subjektzentrierten Empfindsamkeit (3. Szene).

Bei der Auswahl der Künstler*innen liegt der Fokus auf Werken und Werkgruppen, die der künstlerischen Forschung zuzuordnen sind. Durch diesen kuratoriaschen Fokus wird ein gegenwärtig zentraler Begriff in der Kunst und Wissenschaft einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. In der Ausstelung sollen sowohl bereits existierende Werkzyklen als auch Neuproduktionen gezeigt werden.

Teilnehmende Künstler*innen:

aLifveForms (cared for by J.P. Raether), Jimmy DeSana, Sophia Eisenhut/Christian Kölbl, Till Gathmann, Oliver Husain/Kerstin Schroedinger, Jeroen Jacobs, KAYA, Richard Kern/Lydia Lunch, Jutta Koether, Andreas Langfeld, Deana Lawson, Lee Lozano, N.O. Madski, Sidsel Meineche Hansen, Henrik Olesen, Ovartaci, Vika Prokopaviciute, Eran Schaerf, Alina Szapocznikow, Paul Thek, Wu Tsang, Clemens von Wedemeyer, Marianne Wex, Andrea Winkler u.a.

Datum/Zeit: 11. September - 1. November 2020, tgl. 12-18 Uhr, Fr. 12-20 Uhr
Ort: nGbK, Oranienstraße 25, 10999 Berlin

    Szene 1 »Ästhetiken der Affizierung: Schmerz und Erregung« ab 11. September 2020
    Szene 2 »Digitale Fleischlichkeit: Mensch-Maschine-Sex« ab 2. Oktober 2020
    Szene 3 »Politiken des Fleisches: Formierungen des Körpers« ab 16. Oktober 2020

Ein Teil der Ausstellung wandert in die HGB Galerie Leipzig:
Datum/Zeit: 22. Oktober 2020 – 7. Januar 2021
Ort: HGB-Galerie, Wächterstraße 11, 04107 Leipzig

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