Praxeologien, Verfahren und Prozesse anderen Wissens

20. - 21. April 2018

Yellow

Grafik: Victor Grabarczyk auf Unsplash.com

„We want to keep seeing what we come to in the making.“ Fred Moten, Come on, get it!

Am 20. - 21. April 2018 fand das zweite Treffen des Forschungsnetzwerks zum Thema „Praxeologien, Verfahren und Prozesse anderen Wissens“ an der HTW Berlin statt. Es fokussierte eine praxeologische und prozessorientierte Perspektive auf Wissensformen und deren Produktion. Welches Wissen ist den künstlerischen, gestalterischen sowie wissenschaftlichen Verfahren immanent, und wie lässt sich mit einem Wissen forschen, das selbst in Bewegung ist? Ausgehend von der Annahme, dass es kein Wissen ohne Formen der Wissensproduktion gibt, wurde gemeinsam den Verfahren und Techniken nachgegangen, die in diesen Produktionsprozessen zur Anwendung kommen. Wissensproduktion findet dabei nicht nur im Feld der Theorie, sondern ebenso in den Künsten, der Gestaltung wie den alltäglichen Praktiken statt. Und somit ist auch die Spannbreite ihrer Techniken vielfältig und reicht von dem umfangreichen Werkzeugkasten der Theorie über künstlerische Techniken der Darstellung und Verkörperung, des Filmens, Zeichnens, Zitierens, Collagierens, Entwerfens bis zu den Kultur- und Alltagstechniken des Gehens, Schwimmens, Tanzens etc. Diese Techniken sind einerseits angeeignetes und erlerntes Wissen, das dazu befähigt Prozesse zu gestalten und modellieren andererseits sind sie aber auch selbst Produktionsweisen neuen Wissens. Allen diesen Techniken wohnt somit ein produktives und kreatives Wissen inne, das nur teilweise in dem durch sie generierten Endprodukten (Buch, Kunstwerk) seinen Ausdruck findet.
Ein Workshop mit dem Designer Eric Jannot und ein Vortrag der Künstlerin und Autorin Sher Doruff waren impulsgebend, um einen Zugang zu diesen Fragen und Gesichtspunkten herzustellen. Eric Jannot lud dazu ein, sich Aspekten der Wissensproduktion und ihrer Verfahren in digitalen Formaten wie augmented reality anzunehmen. Sher Doruff befragte in ihrem Vortrag „The Trouble with knowledge: The practice and performance of artistic research“ Prozesse und Techniken der Wissensgenerierung in künstlerischer Forschung vor dem Hintergrund material-diskursiver Praktiken. Am zweiten Tag des Netzwerktreffens wurde gemeinsam mit Sher Doruff den Text „Come on, get it!“ von Fred Moten diskutiert.
Während des zweitägigen Treffens wurden die eigenen Arbeitsweisen, Ziele und Herausforderungen intensiv reflektiert. Es kamen Fragen auf nach (Ausdrucks-)Formen, die prozessualen und transformativen Charakter von Wissen zulassen, nach dem Wissensbegriff, mit dem gearbeitet wird, dem "Anderen", das in Dynamiken der Konstruktion und Imagination der Fragenden und ihrer Ausgangspunkte eingebettet ist u.v.m. Von Interesse waren inbesondere die Entwurfs- und Gestaltungsprozesse, wie sie sich in den Künsten, im Design aber ebenso in der wissenschaftlichen Textarbeit explizieren. Vor allem die Künste scheinen einen umfangreichen Pool an Techniken und Verfahren zu bieten, deren Potential auch über ihren ursprünglichen Entstehungskontext hinaus fruchtbar gemacht werden kann. In einem weiteren Schritt interessiert auch die Frage nach der Möglichkeit einer Distanznahme, die der theoretischen Reflexion im Verhältnis zu ihrem Gegenstand eigen ist und sich zu einer Wissensproduktion in Beziehung setzt (und umgekehrt). Solch eine Reflexion richtet dann ihre Frage nicht an etwas, sondern gestaltet diese Frage selbst erst mit. Auch wurde deutlich, dass sich in den eigenen akademischen, habituierten Praktiken hinterfragt werden muss, um andere Formen von Wissen zu ermöglichen.

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